Familie C. in Sicherheit.

Die in Erfurt lebende Familie C. sollte sich gestern, am 04.03.2015, um 23:00 Uhr, erneut in der Stauffenbergallee 25 zur Abschiebung bereit halten, nachdem ein erster Abschiebungsversuch am Montag, 23.02.2015 scheiterte. „Die Angst und den Druck, denen Familie C. ausgesetzt war, ist für Deutsche nicht nachvollziehbar. Darauf warten zu müssen, mit Waffengewalt verschleppt zu werden, ist unglaublich“, so Manuela vom Freundeskreis. Deshalb beschloss der Freundeskreis der Familie zusammen mit Roma Thüringen und zahlreichen Einzelpersonen, auch den zweiten Abschiebungsversuch scheitern zu lassen.

Kundgebung gegen Abschiebung 04.03.2015, Foto: privat

Obwohl um 17:12 Uhr bekannt gegeben werden konnte, dass ein Kirchenasyl für die Familie besteht, kamen mehr als 180 TeilnehmerInnen zur Kundgebung, um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren. Viele von Abschiebung bedrohte Menschen sprachen spontan auf der Kundgebung. So auch Radmila Anic, Präsidentin der Frauenrechtsorganisation „Majcina Kolevka / Kinder Wiege“ in Novi Sad, die sich um alleinstehende Mütter kümmert. Ihr verstorbener Mann war von 1941 bis 1945 in KZ Dauchau interniert. Sie wohnt in Erfurt und ist von Abschiebung bedroht: „Wir haben ein Recht hier zu leben! Die Deutschen haben viele von uns damals verschleppt und ermordet, auch aus Ex-Jugoslawien. Heute werden wir überall, wo wir sind vertrieben, auch aus Deutschland. Es gibt kein sicheres Land für uns.“ In weiteren Redebeiträgen versprachen Anwesende, auch in Zukunft deutliche Zeichen zu setzen, dass wir in Erfurt zusammenleben wollen und Abschiebungen ablehnen. „Abschiebungen sind ein an sich traumatisierender und brutaler Akt, wenn Uniformierte vorwiegend nachts in die Wohnungen kommen und Asylsuchende wie StraftäterInnen abführen“, erklärt Alexandra Hoffmann vom Freundeskreis der Familie C.

Familie C. kann nun ohne Angst ausharren, bis die Überstellungsfrist am 05.03.2015, um 23:59 Uhr ausläuft. In dieser mindestens sechs Monate dauernden Frist soll der deutsche Staat auf Grundlage der Dublin-III Verordnung Asylsuchende in das Land abschieben, wo sie zum ersten Mal EU-Territorium betreten haben, um dort ein Asylverfahren durchzuführen. „Deutschland hat das Asylrecht 1992 in Deutschland faktisch abgeschafft, da es umgeben ist von sogenannten sicheren Drittstatten. Die neusten Verschärfungen sind schon auf dem Weg, die dann oft als Verbesserungen angepriesen werden“, so Alexandra Hoffmann.

Mit dem Versprechen, insbesondere nach dem Ende des thüringenweiten Abschiebestopps wieder vor Ort zu sein, wenn Abschiebungen anstehen, wurde die Kundgebung nach zwei Stunden um 23:00Uhr ohne massiven Polizeieinsatz und damit ohne Verletzte beendet.

Ein ständig aktualisierter Pressespiegel ist unter „Presse“ zu finden.


1 Antwort auf „Familie C. in Sicherheit.“


  1. 1 Peter Lückmann 05. März 2015 um 21:54 Uhr

    TOLL!!! das nenn ich Nächstenliebe und Courage!!

    SOLIDARISCHE GRÜSSE aus Gera!!!

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