Archiv für Juli 2015

Break Deportation! Abschiebung von Mahari aus Waltershausen verhindert

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Der aus Eritrea geflüchtete Mahari G. sollte am Donnerstag, den 16. Juli 2015, um 5 Uhr aus dem Lager in der Eisenacher Landstraße 72 in Waltershausen in die Niederlande abgeschoben werden. Fünf Tage später, am 21. Juli, wird Deutschland für seinen Asylantrag zuständig, da die Überstellungsfrist dann abläuft. Hintergrund ist die Dublin-III Verordnung, die dazu zwingt, dort ein Asylverfahren durchzuführen, wo zum ersten Mal EU-Gebiet betreten wurde bzw. die Registrierung erfolgte. Deutschland hat für die Abschiebung in das nach dieser Regelung zuständige EU-Land sechs Monate Zeit.

In den Niederlanden befürchtet Mahari, in ein Abschiebegefängnis gesperrt zu werden, da er auf der Flucht über das Mittelmeer sämtliche Papiere verloren hat und so seine Herkunft nicht belegen kann. In Eritrea erwartet ihn Gefängnis oder Tod durch das dortige Regime. Auf die Frage, was ihm passiert, wenn er nach Eritrea zurückkehren müsse, antwortet Mahari: „If I go back, they will kill me.“

Mahari war nach seiner langen Flucht gezwungen, am 16. Juli im Lager auf seine Deportation durch die deutsche Polizei zu warten. Für uns war es eine bewusste politische Entscheidung, dass wir uns dieser Abschiebung – wie jeder anderen – entgegen stellen werden. Deutschland darf sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Wir müssen sichtbar machen, was vor allem Nachts in deutschen Lagern passiert.

Unser Freund Mahari befindet sich seit heute, 12 Stunden vor der geplanten Abschiebung, in einem Kirchenasyl. Dieser Schutzraum muss von einer Kirchgemeinde gewährt werden, ohne dass es dafür einen gesetzlichen Anspruch gäbe. Es ist die bewusste Entscheidung einer Kirchgemeinde gewesen, die zur Gründung eines Kirchenasyls für Mahari geführt hat.

Wir sind glücklich darüber, dass Mahari nicht dem Risiko ausgesetzt werden musste, durch brutale Polizeigewalt gegen eine geplante Kundgebung vor dem Lager doch deportiert zu werden. Es war nicht abzusehen, ob genügend Menschen den Weg am frühen Donnerstagmorgen in das Industriegebiet bei Waltershausen, wo das Lager versteckt gelegen ist, finden würden. Trotzdem hat Maharis Fall gezeigt, dass viele Menschen mitgedacht und sich vernetzt haben.

Freund*innen von Mahari

Break Deportation! Mahari’s deportation from Waltershausen is stopped

Having fled from Eritrea, Mahari Gidey shall be deported on Thursday, July 16th at 5 am from the lager Waltershausen, located in Eisenacher Landstrasse 72, hardly visible in an industrial zone. German authorities were going to deport him to the Netherlands based on the Dublin-III convention. Five days later on July, 21st the state of Germany will be responsible for his asylum request.

He fears when being deported to the Netherlands, he will imprisoned in a deportation jail, because he lost his documents on his flight in the Mediterranean Sea. In Eritrea only imprisonment or death by the regime awaits him. „If I go back, they will kill me“, he says.

Mahari Gidey, having endured his long, life-threatening and exhausting flight, was forced to wait for his deportation on July, 16th by the German police. To us it is a clear political statement, to antagonize
and counteract this deportation as we do with every deportation. Germany must take responsibility.

Mahari’s friends