Archiv für Dezember 2015

Haliti, Shani (39), Alleinstehender Vater mit zwei Kindern.

Am 25.03.1999, während des Kosovokrieges, um 2.00 Uhr nachts kam die serbische Armee nach Urosevac (Kosovo) zum Haus von Shani Haliti und seinen Eltern. Dort haben sie ihn zwangsweise einberufen, d.h. sie haben ihn mitgenommen, ohne vorherige Ankündigung. Innerhalb von 10 min musste er mitkommen, genauso wie andere Roma und serbische Männer aus der ganzen Stadt. In dem Viertel der Stadt wo er gewohnt hat, gab es keine anderen Moslems, seine Familie war die Einzige.

In der Armee hat er bald großen Stress und große Angst im Krieg erlebt. Auf dem Weg zu einem Stützpunkt ist der erste LKW über eine Miene gefahren und er ist explodiert. Herr Haliti war glücklicherweise hinten im Zug, in einem anderen LKW. Er musste mit Anderen zusammen den Ort aufräumen und die Leichen begraben.

Solche Arbeiten, wie Leichen wegbringen und begraben in besonders gefährlichen Zonen, mussten immer die Roma machen. Die serbischen Leute haben die Roma dorthin geschickt, um diese Arbeit zu machen.

Am Anfang seiner Zeit in der Armee war es unwichtiger, dass Shani Haliti Moslem ist. Aber nachdem viele serbischen Leute von moslemischen Albaniern umgebracht wurden, haben sie die moslemischen Roma gehasst und gedroht, sie genauso umzubringen wie die Albanier. In seiner Gruppe war er der einzige Moslem und wurde deshalb immer wieder angefeindet.
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Sponti in Jena nach weiterer Sammelabschiebung

Am (17.12.) am frühen Abend versammelten sich spontan mehr als 150 Menschen auf dem Universitätscampus, um eine unangemeldete Demonstration durchzuführen. Anlass war die dritte sogenannte Sammelabschiebung in Thüringen innerhalb des letzten Monats.

Zuletzt wurden am 16.12. 135 Personen über den Abschiebeflughafen Halle/Leipzig nach Belgrad deportiert. Dieses unmenschliche Vorgehen verdeutlicht, dass auch unter einer linken Landesregierung die gleiche Abschiebepraxis vollzogen wird, wie überall in der BRD. Eine Sponti ändert an den rassistischen deutschen Zuständen nichts, ist aber immerhin eine Möglichkeit, den Unmut auf die Straße zu tragen. Die bis zuletzt unangemeldete Versammlung zog unter anderem durch die belebte Johannisstraße und am Weihnachtsmarkt vorbei. Lautstark wurden antirassistische und antinationale Slogans gerufen, um der Wut Ausdruck zu verleihen. Schließlich bewegten sich die Teilnehmenden auch auf der Straße und fanden einen gemeinsamen Abschluss auf dem Theatervorplatz.

Der Inhalt des an Passant_innen verteilten Flyers lautete:

Alle bleiben! Gegen den Abschiebestaat!
Alle Menschen haben das absolute Recht, vor Krieg, Verfolgung, Armut und Perspektiv-losigkeit zu fliehen und zu versuchen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Dies gilt nicht nur für Menschen, die von der Regierung als „Kriegsflüchtlinge“ angesehen werden und aus „nicht sicheren Herkunftländern“ kommen würden – sondern für alle. Abgesehen davon, dass die BRD die Fluchtgründe wesentlich mitverursacht, ist die Einteilung von Geflüchteten in diejenigen, welche vielleicht mit viel Glück langfristig bleiben dürfen und jene, die abgeschoben werden barbarisch. Grausam und menschenverachtend ist die deutsche Abschiebepraxis: Am 16.12. wurden in aller Frühe 106 (Presse) oder 135 Personen (Polizei) aus Thüringen über den Flughafen Halle/Leipzig nach Belgrad deportiert. Darunter befanden sich auch diesmal wieder kleine Kinder. Erst am 24.11. sind 123 Menschen nach Serbien, am 2.12. 63 Menschen aus Thüringen nach Mazedonien abgeschoben worden. Grundlage dafür ist die Aussetzung des Winterabschiebestopps, welcher ein absolutes Minimum an Humanität im brutalen Abschiebe-regime gewähren sollte.
Dies zeigt: Auch die linke Thüringer Landesregierung verhält sich in der Flüchtlingsverwaltung in keiner Weise anders als andere Bundesländer. Die sogenannte „Willkommenskultur“ hat sich als billiger Schein zur Mobilisierung der Bevölkerung erwiesen. Diese soll einspringen, wo die Regierungen nicht daran interessiert sind, für einen menschenwürdigen Umgang mit Geflüchteten zu sorgen. Wie immer werden die Herausforderungen für die Gesellschaft nicht angegangen sondern abgeschoben und mit dem nationalistischen und rassistischen Druck der widerlichen Rechtspopulist_innen gerechtfertigt.
Hören wir auf, den falschen Versprechungen der Politiker_innen Glauben zu schenken! Organisiert euch deswegen selbst und gemeinsam mit den Geflüchteten um für eine bessere und emanzipatorische Gesellschaft zu kämpfen!

einige Anarchist_innen aus Jena“

deutlichwerden.blogsport.de
grenzenabschaffen.blogsport.de
airporthalleleipzig.noblogs.org

Erfurt – Spontan Demonstration gegen Abschiebungen.

In ‪Erfurt‬ kam es am Abend des 17. Dezember zu einer Spontandemonstration. Anlass war laut der verteilten Flyer die Abschiebung von mehr als 100 Menschen in den Morgenstunden

2015.12.17 - Erfurt - Spontandemo gegen Abschiebungen

We can NOT

We can NOT live to tolerate the fascist deportation tradition of the political class in Thueringen. Deportation is criminal, therefore it is an organized terror by the corrupted society.

Power to the people!

I am empowered by the continuous protest to expose the political monsters of the German isolationist parliamentarians.

In solidarity, we remain.

Osaren Igbinoba, The VOICE Refugee Forum

Press Release 16.12.: Protest against nightly deportation in Erfurt

On the 16th December between 4 p.m. and 5:30 p.m. 20 people protested against yet another mass deportation from Thuringia in Magdeburger Allee in Erfurt. Once again several families from Serbia and Croatia have been deported. The protesters started a sit-in in order to prevent the departure of a police vehicle, in which a family that was meant to be deported to Serbia was sitting.

The blockade failed because it was violently disbanded by the police. Therefore, the deportation could not be stopped, but the protesters
voiced their critisism and their anger via banners and chants. In particular they demanded a right to stay for Romani people.

More than 90% of the refugees from the so-called „safe countries of origin“ in South-Eastern Europe belong to the minority of the Romani
people. There they are heavily discriminated against, a fact that the German state does not recognize to be a valid reason to flee. Although
their existence is threatened in these countries, they were yet again forcefully deported by the German police today.

The police partly took rough action against the people participating in the sit-in. Some protesters were slightly injured.

For further questions please call 0176 39647472.

Pressemitteilung: 16.12.2015 – Verschleppung aus Thüringen

Pressemitteilung: 16.12.2015

Protest gegen nächtliche Sammelabschiebung in Erfurt

In der Nacht vom 15.12. zum 16.12. protestierten in Erfurt zwischen 4 Uhr und 5:30 Uhr etwa 20 Menschen in der Magdeburger Allee gegen eine weitere Sammelabschiebung aus Thüringen. Erneut wurden mehrere Familien nach Serbien und Kroatien abgeschoben. Die Protestierenden versuchten durch eine Sitzblockade die Abfahrt eines Polizeifahrzeugs zu verhindern. Darin befand sich eine Familie, die nach Serbien abgeschoben werden sollte.

Der Blockade scheiterte, da sie von den anwesenden Polizist*innen gewaltsam aufgelöst wurde. Somit konnte die Abschiebung nicht verhindert werden, jedoch zeigten die Protestierenden ihre Wut und Kritik an Abschiebungen mittels Sprechchören und Transparenten. Insbesondere forderten sie ein Bleiberecht für geflüchtete Rrom*nja.

Über 90% der Geflüchteten aus den sog. „sicheren Herkunftsstaaten“ in Südosteuropa gehören der Minderheit der Rrom*nja an. Sie werden dort massiv diskriminiert, was jedoch vom deutschen Staat nicht als Fluchtgrund anerkannt wird. Obwohl Rrom*nja in diesen Ländern in ihrer Existenz bedroht sind, wurden sie auch heute wieder von der deutschen Polizei gewaltsam dorthin zurück gebracht.

Die Polizei ging teilweise sehr rabiat gegen die Menschen in der Sitzblockade vor. Mehrere Protestierende wurden leicht verletzt.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen unter 0176 39647472 zur Verfügung.

demonstration agains deportation – 3.12. erfurt

don´t talk – just do it! stopp deportation – stop the racist war agains rom_nja and all other person. organize yourselves!

speak out at the demonstration agains deportation: People, please wake up!

For weeks, families and single people are deported and brought away. Amongst them were politically active people who have struggled against oppression. People are torn from their lives, losing friends and the little security they have in germany. People are deported back to the situation they were fleeing from. They are pushed back to war, racist discrimination, poverty, religious persecution, hunger and many more. All these are not single cases, but structurally organized crimes by the German government. It is a long tradition of pushbacks and chasing away and destroying of non-white people. It is more important than ever to know about it and to do something about it!

Deportations are a racist practice, Germany destroys countries worldwide, so people flee here. Asylum is a human right and not a privilege. There must be an unconditional right to stay for all people.

Get into the Lager for Refugees, make contacts, get informed where to find Lager and support the people who are threatened with deportation!

Stop Deportation – regardless of country of origin

Weitere Informationen:
http://breakdeportation.blogsport.de
http://thevoiceforum.org
http://alle-bleiben.info

Erfurt: Spontandemonstration durch die Innenstadt als Reaktion auf erneute nächtliche Abschiebungen
PM der Gruppe frai vom 3.12.2015

Heute fand um 19:30Uhr in der Innenstadt Erfurts erneut eine Demonstration statt. 40 Menschen äußerten Kritik und ihre Wut anlässlich der Abschiebung von 63 Asylsuchenden am gestrigen Mittwochmorgen aus ganz Thüringen nach Mazedonien. Bei der Versammlung, die während des Weihnachtsgeschäfts erhebliche Irritationen, aber vereinzelt auch Sympathiebekundungen erfuhr, wurde die praktische Umsetzung der deutschen Vertreibungspolitik mittels Flugzetteln und Sprechchören kritisiert.

Auch in dieser Woche wurden Menschen ohne jegliche Vorankündigung in der Nacht zwischen vier und sechs Uhr von der Polizei abgeholt und weggeschafft. Sie hatten nur wenig Minuten Zeit, sich anzuziehen und ihre Sachen zu packen. Teilweise wurden die Asylsuchenden noch in Polizeigebäuden konzentriert, um dann gesammelt über den Flughafen Halle-Leipzig abgeschoben zu werden.

Die Angst vor weiteren Abschiebungen sorgt in den Erfurter Geflüchteten-Unterkünften weiterhin für schlaflose Nächte. Die Menschen, die von diesen Abschiebungen betroffen waren und sind, stammen aus den sog. „sicheren Herkunftsstaaten“. „Deutschland legt einfach fest, welche Länder sichere Herkunftsstaaten sind, und diese Liste kann sich jeder Zeit ändern. Deutsche haben sie sich ausgedacht…. Geflüchtete müssen das ausbaden…“, sagt ein*e Rom*nja.

Gerade in den Balkanstaaten trägt die deutsche Regierung Verantwortung an den dortigen z.T. kriegerischen Konflikten. Durch seine Kriegsbeteiligung hat Deutschland an dem Zerfall Jugoslawiens mitgewirkt. Bis dahin konnten Rom*nja und andere ethnische Minderheiten gesellschaftlich teilhaben. Seit dem Zerfall von Jugoslawien sind sie starker rassistischer Diskriminierung ausgesetzt, die ihre Existenz bedroht.
Durch die versuchte Vernichtung von Sinti*ze und Rom*nja hat Deutschland eine besondere Verantwortung, die es aber nicht wahrnimmt. Im Gegenteil führt Deutschland eine Politik der Ausgrenzung und Vertreibung kontinuierlich fort. „Wir fordern ein uneingeschränktes Bleiberecht unabhängig vom Herkunftsstaat!“, so Lara Müller, eine Demonstrationsteilnehmerin.